14. Holzwerkstoffkolloquium – Alles beim Alten?

19. April 2022

Am 7. und 8. April 2022 begrüßte das Institut für Holztechnologie Dresden (IHD) über 160 Fachleute zum 14. Holzwerkstoffkolloquium in Dresden. Zahlreiche Vertreter namhafter Holzforschungsinstitutionen des deutschsprachigen Raumes sowie Industrievertreter aus Deutschland und Europa verfolgten interessiert die insgesamt 24 Fachvorträge.

Alles beim Alten? – lautete das diesjährige Thema, aber das war es nicht ganz: Das 14. Holzwerkstoffkolloquium fand erstmals hybrid statt. Pandemiebedingt konnten nur 100 Teilnehmer vor Ort sein, alle anderen verfolgten die Veranstaltung Online.

Prof. Dr. Steffen Tobisch, Institutsleiter des IHD, begrüßte die Teilnehmer im Konferenzzentrum des IHD und dankte den zahlreich erschienenen Gästen und Sponsoren, die zum Gelingen der Veranstaltung beitrugen. Prof. Tobisch ging auf die Geschehnisse in der Ukraine ein und stellte fest, dass vieles so gar nicht mehr beim Alten ist.

Auch Prof. Dr. Detlef Krug (IHD), der Tagungsleiter und Moderator des ersten Veranstaltungstages, stellte fest, dass das Thema der Veranstaltung „Alles beim Alten?“ in Anbetracht aktueller Entwicklungen sicherlich angezweifelt werde. Als sich das IHD vor einem Jahr für diesen Titel entschied, hatte man vor allem im Blick, dass die mit der Herstellung und Verarbeitung von Holz und Holzwerkstoffen befassten Industrien die virusbedingt schwierigen Zeiten erfreulich gut überstanden hatten und der Pandemie trotzen konnten. Möglich wurde dies, weil viele Nutzer in Krisenzeiten auf nachhaltige Materialien, mithin auch auf Holzwerkstoffe, zurückgegriffen, um ihre Lebenssituation zu verbessern. Im Kreislauf hergestellte Holzwerkstoffe konnten liefern, was in dieser Zeit gefragt war: Saubere, nachwachsende Rohstoffe, gute, gesunde Performance und eine gesicherte, hohe Qualität.

Den fachlichen Teil der Vorträge eröffnete Anemon Strohmeyer (VHI), die zum Thema „Die Holzwerkstoffindustrie in der Krise” referierte. Mit welcher Krise sollte man da anfangen? Coronakrise? Klimakrise? Oder der Krieg mitten in Europa? Das Fazit ihrer Ausführungen lag darin, Materialien und Energie durch geschlossene Kreisläufe und Mehrfachnutzung zu sparen, um auch in Krisen bestehen zu können.

Peter Meinlschmidt (Fraunhofer WKI) knüpfte gleich an dieses Fazit an und erläuterte das Thema „Erkennung und Sortierung von Altholz zur Kaskadennutzung“. Er machte darauf aufmerksam, dass es schon verschiedenste Möglichkeiten gibt, Altholz auch mehrfach zu nutzen und die Verwendung zur Energieproduktion der allerletzte Schritt sein sollte. Für das Erkennen von Holzschutzmitteln und Kunststoffen machte sich Meinlschmidt die NIR-Spektroskopie zu nutze.

Das Thema Nachhaltigkeit zog sich auch durch die nächsten Vorträge. Robert Mohr (Valmet Technologies OY) und Prof. Dr. Detlef Krug (IHD) präsentierten ihre Ergebnisse aus einem gemeinsamen Forschungsprojekt zum Thema „Recycling von MDF/HDF-Fasern“. Sie stellten anschaulich die Techniken der Rückgewinnung der Fasern dar, wie diese dann aufbereitet und anschließend daraus neue HDF/MDF hergestellt werden. Interessant waren vor allem die durchaus positiven Eigenschaften der Platten mit Recyclingfasern im Vergleich zu den Platten aus nativen Frischholzfasern.

Am Nachmittag des ersten Veranstaltungstages kam wieder der wissenschaftliche Nachwuchs zu Wort. Sieben junge Wissenschaftler stellten engagiert ihre derzeitigen Arbeiten in Kurzvorträgen vor - das Publikum durfte dann seine Favoritin bzw. seinen Favoriten wählen. Den ersten Preis erhielt Sophie-Marie Koch (ETH Zürich) mit ihrem Kurzbeitrag zum Thema „Delignifiziertes Holz als Basis für Zellulose-Matrix-Komposit“. Der zweite bzw. dritte Platz gingen an Lukas Kronester (Technische Universität Dresden) und Christian Huber (BOKU – Universität für Bodenkultur). Das Auditorium beglückwünschte die Gewinner und freute sich auf weitere Arbeiten der jungen Wissenschaftler.

Der rege Erfahrungsaustausch wurde zur traditionellen Abendveranstaltung, in diesem Jahr erstmalig im Carolaschlösschen, gemütlich fortgesetzt.

Am zweiten Veranstaltungstag, der von Prof. Dr. Steffen Tobisch (IHD) moderiert wurde, referierten Reiner Klopfer und Wenchang Shi (beide TU Kaiserslautern) zum Thema Bauen mit Buchenholz aus dem Stamminneren. Im Projekt wurden die Eigenschaften (v. a. Festigkeitssortierung und -bestimmungen) von Buchenholz schlechterer Qualität ermittelt und dann verschiedene Bauteilversuche durchgeführt. Im Ergebnis kann dieses Buchenholz durchaus als Träger verwendet werden.

Max Pramreiter von der BOKU - Universität für Bodenkultur aus Wien berichtete über Ressourceneffiziente Holzwerkstoffe. In seinen Ausführungen stellte er Konzepte und Lösungsansätze vor, die sowohl die Ressourceneffizienz von Holz- und Holzwerkstoffen steigern als auch für Laub- und Nadelholz geeignet sind.

Sehr interessant war auch der Vortrag von Dr. Max Britzke und Phillip Rosenbusch (beide Technische Universität Dresden) zu „Verfahren zur Herstellung eines Papierwabenkerns ohne Klebstoff („Steckwabenkern“)“. Bei dieser neuen Produktentwicklung sind einzelne Papierstreifen klebstofffrei miteinander verzahnt. Sandwichkonstruktionen mit Papierwabenkern bieten Vorteile durch die Reduzierung von Rohmaterial, Klebstoff, Gewicht und Kosten.

Die hohe Teilnehmerzahl und die Diskussionsfreude des Auditoriums zeigten das Interesse an den präsentierten Themen und lassen den Veranstalter auf eine gelungene Veranstaltung zurückblicken. Das nächste Holzwerkstoffkolloquium ist für den 14./15. Dezember 2023 geplant.

Foto: Einige Referenten des 14. Holzwerkstoffkolloquiums