Gute Zeugnisse für Naturdämmstoffe

30. November 2020

Kürzlich wurde das 2016 gestartete Verbundvorhaben "Mehr als nur Dämmung – Zusatznutzen von Dämmstoffen aus nachwachsenden Rohstoffen“ (NawaRo-Dämmstoffe) abgeschlossen, an dem das IHD umfangreich beteiligt war.

Grundlegendes Ergebnis ist nach Einschätzung der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V. (FNR) als Projektträger, "… dass Naturdämmstoffe gesicherte Eigenschaften haben, Konstruktionen verlässlich berechenbar sind und in fast allen Anwendungsgebieten eingesetzt werden können. Mit natürlichen Materialien kann kalkulierbar dauerhaft und sicher gebaut werden. Normen und baurechtliche Vorschriften können nun angepasst und der Weg freigemacht werden für mehr NawaRo-Dämmstoffe im Bau".

Im Projekt wirkten 12 Forschungspartner sowie zahlreiche Industrieunternehmen und –verbände mit; koordiniert wurde es vom Fraunhofer-Institut für Holzforschung (WKI). Das IHD war in den Bereichen "Wärmeschutz" und "Feuchteschutz" beteiligt.

Im Bereich Wärmeschutz beschäftigten sich die Experten des IHD mit der Wärmeübertragung, der Messmethodik und der Strukturoptimierung von Holzfaserdämmstoffen. Untersucht wurden u. a. Wärme- und Temperaturleitfähigkeit, Rohdichteprofil, Porosität sowie Faserverteilung und -orientierung. Die Wärmeleitfähigkeitsmessungen bestätigten, dass die Temperaturdifferenz zu einer Feuchteverlagerung führt, die das Ergebnis beeinflusst. Es wurden Vorschläge für die Verbesserung der Messmethodik erarbeitet und in Ringversuchen überprüft. In Zerfaserungsversuchen im Technikum des IHD wurde ermittelt, wie die Dämmwirkung von Holzfaserstoffen durch eine Verringerung des Mahlspalts bei der eigentlichen Faserstoffherstellung verbessert werden kann.

Im Bereich Feuchteschutz erfolgten Untersuchungen zur mikrobiellen Hintergrundkonzentration, zur Schimmelpilzresistenz und zur Prüfmethodenentwicklung. Zudem wirkte das IHD an den Arbeiten des WKI zur Schnelldetektion von Schimmelpilzbefall mittels Gasanalyse mit. Die mikrobielle Hintergrundkonzentration von 14 NawaRo-Dämmstoffen lag unterhalb der Grenzwerte von 105 KBE/g (Schimmelpilze) bzw. 106 Bakterien/g; damit erwiesen sich diese als hygienisch unauffällig. Die allgemeinen Grenzwerte für Baustoffe können somit auch auf NawaRo-Dämmstoffe angewendet werden. Normprüfungen bestätigten die Herstellerangaben zur Schimmelpilzresistenz. Weiterhin wurde die Studie "Dämmstoffe und Schimmelpilze" erarbeitet, in der Informationen aus baurechtlichen, bautechnischen und baubiologischen Aspekten zusammengestellt sind. Die Studie bildet eine Grundlage für die weitere Forschungs- und Normungsarbeit. Aus dem Projekt resultierte auch die Mitarbeit des IHD im europäischen Normungsausschuss für Wärmedämmstoffe CEN/TC 88; Aufgabe ist es, eine für alle Wärmedämmstoffe anwendbare Schimmelpilz-Prüfnorm zu entwickeln.

Der Schlussbericht zum Verbundvorhaben befindet sich derzeit in der finalen Bearbeitung und wird dann in der Projektdatenbank der FNR im Internet (www.fnr.de) bereitgestellt.

Das Projekt (FKZ 22004216) wurde mit Mitteln des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) über die Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V. (FNR) als Projektträger im Förderprogramm "Nachwachsende Rohstoffe" gefördert.

Ansprechpartner im IHD:
Dr. Wolfram Scheiding
wolfram.scheiding@ihd-dresden.de