Sächsische Industrieforschungsinstitute gemeinsam im Kampf gegen Corona

14. April 2020

Medizinische Schutzausrüstung ist derzeit Mangelware. Zahlreiche Mitglieder der Sächsischen Industrieforschungsgemeinschaft e. V. (SIG) unterstützen je nach Ihren Möglichkeiten sächsische Krankenhäuser im Kampf gegen Corona.

Einige SIG-Institute, wie beispielsweise das ITW in Chemnitz, das ILK in Dresden, das Cetex und das STFI in Chemnitz sowie das IHD in Dresden, fertigen seit Ende März Bauteile für Gesichtsschutzmasken im 3D-Druckverfahren. An den 3D-gedruckten Maskenhaltern aus Kunststoff wird händisch eine Folie und ein Gummiband befestigt und schon sind die Gesichtsmasken einsatzfähig. Die Masken werden in den jeweiligen Regionen kostenfrei an Krankenhäuser und Altenheime verteilt. „So werden bei uns im IHD ca. 60 Masken pro Tag hergestellt, die von Krankenschwestern und –pflegern der Uniklinik Dresden und anderen städtischen Kliniken sehr dankbar angenommen werden,“ berichtet Prof. Dr. Steffen Tobisch (Institutsleiter des IHD und Vorstandsvorsitzender der SIG). Weitere Mitgliedsinstitute machen ihre 3D-Drucker derzeit für den Maskendruck einsatzbereit und werden in den nächsten Tagen in die Produktion gehen.

Um Stoffe für Mundschutze herzustellen, hat das STFI in Chemnitz seine Versuchsanlagen im Extrusionsvliesstoffbereich auf die Produktion von Feinfaservliesstoff (Meltblown) umgestellt und arbeitet seit über zwei Wochen bereits an der Kapazitätsgrenze. Neben mehreren sächsischen Unternehmen gehören Kunden in ganz Deutschland und zunehmend auch aus dem europäischen Ausland zu den Abnehmern.
Als sogenannte SMS-Struktur werden die Meltblown-Vliesstoffe im Verbund mit Spinnvliesstoffen zu Schutzmasken verarbeitet, die im Zuge der Covid19-Pandemie dringend benötigt werden. Weil das Material sehr gute Filterwirksamkeiten besitzt, konnten einige Abnehmer bereits für ihre Masken die FFP2-Qualität erreichen. Ganz aktuell wurde dem im STFI produzierten Vliesstoffverbund eine Bakterienfilterwirksamkeit von 99,5 % bestätigt.

Auch aus Freiberg gibt es Unterstützung. Das FILK Freiberg beteiligt sich derzeit an der Entwicklung eines sogenannten „anspruchslosen“ Beatmungsgerätes. Prof. Dr.-Ing. Matthias Kröger vom Institut für Maschinenelemente, Konstruktion und Fertigung an der Bergakademie Freiberg tüftelt gerade in Zusammenarbeit mit der Grubenwehr der Reichen Zeche in Freiberg in Anlehnung an den Bergbau an einem einfachen Beatmungssystem, das alle wesentlichen Funktionen erfüllt, ohne Elektronik und elektrischen Antrieb auskommt und nur Druckluft oder Sauerstoff benötigt. Für die Prototypen, die bereits im Test sind, liefert das FILK Freiberg Silicon basierte Elastomermembranen als Dichtungsmaterial. Bestehen die Geräte die Tests, stünden flexibel und unabhängig von aufwendiger Versorgungsinfrastruktur einsetzbare Beatmungsgeräte zur Verfügung.