Die große Resonanz bestätigte die hohe Relevanz der behandelten Themen – von regulatorischen Rahmenbedingungen über neue Bindemittelsysteme bis hin zu Recycling- und Leichtbaukonzepten.
Eröffnet wurde das Kolloquium durch Prof. Dr. Steffen Tobisch und Prof. Dr. Detlef Krug (beide IHD), die die Rolle von Holzwerkstoffen als unverzichtbaren Bestandteil einer nachhaltigen Bau- und Wohnzukunft betonten. Gleich zu Beginn setzte Bettina Meyer (Fraunhofer WKI) mit ihrem Vortrag zur neuen europäischen REACH-Verordnung für formaldehydemittierende Artikel einen wichtigen regulatorischen Schwerpunkt. Im Anschluss erhielt Frau Meyer eine Ehrenurkunde vom NHM des DIN Deutschen Instituts für Normung e. V. für ihr außerordentliches berufliches Wirken, das die Entwicklung und Harmonisierung von Prüfverfahren für Holzwerkstoffe in Deutschland und weit darüber geprägt hat. Die Laudatio hielt Prof. Steffen Tobisch. Ebenfalls geehrt wurde Bernd Trepkau, der in der von Dr. Rico Emmler gehaltenen Laudation als Urgestein der deutschen Holzwerkstoff- und Fußboden-Normung in Deutschland und Europa bezeichnet wurde.
Daran anknüpfend stellten Sören Hahn (EPH Dresden) und Dr. Manuel Fleisch (Fagus-GreCon) innovative Ansätze zur schnellen und effektiven Formaldehydbestimmung aus Referenzprüfkammern vor. Einen praxisnahen Blick auf industrielle Stoffströme bot Prof. Dr. Bernd Bungert (Berliner Hochschule für Technik) mit seiner Erfolgsbilanz zum MDF-Terpentin. Die Entwicklung biobasierter und formaldehydfreier Bindemittelsysteme stand im Mittelpunkt mehrerer Beiträge: Dr. Philip Biehl (Georg-August-Universität Göttingen) präsentierte Klebstoffe auf Basis hochlöslicher Dialdehyd-Polysaccharide und Proteine, Dr. Henrik-Alexander Christ (Fraunhofer WKI) zeigte das Potenzial von Myzel als Bindemittel, während Dr. Hendrikus (Erik) van Herwijnen (Kompetenzzentrum Holz GmbH) biobasierte Klebstoffe für Spanplatten und MDF vorstellte. Ergänzt wurde dieser Themenblock durch Dr. Jan Herold (TU Dresden), der einen leichten, homogenen Kernwerkstoff für Sandwichplatten präsentierte.
Im anschließenden „Young-Science“-Block wurde die Innovationskraft des wissenschaftlichen Nachwuchses deutlich. Beiträge zur Eignung alternativer Holzarten für strandbasierte Plattenwerkstoffe von Andrej Fašalek und Lukas Malzl (BOKU Wien), zu Verpackungen aus landwirtschaftlichen Reststoffen von Lisa Schulz (TU Dresden), zu klimareaktiven Bi-Layer-Furnierwerkstoffen von Luisa Sander (HTWK Leipzig), zu stärkebasierten Biowerkstoffen von Paula Köhn (Universität Göttingen), zu innovativen Sandwichwerkstoffen von Thilo Habert (Universität Göttingen) sowie zu Hochfrequenz-Schweißverfahren von Hagen Schwalm (IHD Dresden) zeigten eindrucksvoll die Bandbreite aktueller Forschungsansätze. Das Publikum konnte im Anschluss abstimmen, welcher Vortrag ihnen am besten gefallen hat. Abgerundet wurde der Tag mit einer Abendveranstaltung im Restaurant Dresden1900 in der Dresdner Altstadt.
Der zweite Veranstaltungstag begann mit einem wirtschaftlichen Überblick: Andreas Ruf (EUWID) analysierte das zurückliegende Wirtschaftsjahr der deutschen und europäischen Holzwerkstoffindustrie und wagte einen Ausblick. Prof. Dr. Johannes Konnerth (BOKU Wien) stellte strandbasierte Plattenwerkstoffe für den mehrgeschossigen Holzbau vor. Mess- und Prozessfragen standen im Fokus des Beitrags von Dr. Torben Marhenke (Fagus-GreCon) und Nick Engehausen (Thünen-Institut für Holzforschung).
Vor der Pause wurden die Preisträger des „Young Science“-Wettbewerbes des Vortags bekanntgegeben. Den 1. Platz erhielt Luisa Sander (HTWK Leipzig) für ihren Vortrag zur „Experimentellen Analyse klimareaktiver Bi-Layer-Furnierwerkstoffe für adaptive Verschattungssysteme“, der 2. Platz ging an den Tandemvortrag von Andrej Fašalek und Lukas Malzl (BOKU, Wien) und den 3. Platz belegte Hagen Schwalm (IHD).
Im Vortragsprogramm ging es dann weiter mit Alisa Kehr (TH Rosenheim), die den Einfluss von Zerfaserungsparametern im RMP-Verfahren beleuchtete. Praxisnahe Ansätze zur Rohstoffeffizienz präsentierte Tino Schulz (IHD) mit der Nutzung von Winkelspänen. Den thematischen Schlusspunkt bildeten Beiträge zur Kreislaufwirtschaft: Filip Majstorovic (Fraunhofer WKI) zeigte Wege zur Mineralisierung von Naturfasern, Dr. Sophie Marie Koch (ETH Zürich) stellte multimodale Sortierkonzepte für das Holzrecycling in der Schweiz vor und Jan Kasten (Dieffenbacher GmbH) sowie Marco Mäbert (IHD) präsentierten mit Fiber2Fiber und mTMP nachhaltige Recyclinglösungen für MDF und Altholz.
Mit dem 16. Holzwerkstoffkolloquium bot das IHD erneut eine Plattform, auf der sich regulatorische Anforderungen, wissenschaftliche Innovationen und industrielle Praxis in konstruktivem Dialog begegnen. Abschließend freuen wir uns bereits heute, auf das 17. IHD-Holzwerkstoffkolloquium am 9. und 10. Dezember 2027 hinzuweisen.