Am 9. September 2026 fand am Institut für Holztechnologie Dresden (IHD) das 15. Fenster- und Türenkolloquium statt. Gemeinsam mit dem Entwicklungs- und Prüflabor Holztechnologie (EPH) bot das IHD Fachleuten aus Unternehmen, Forschungseinrichtungen und dem Sachverständigenwesen sowie Vertreterinnen und Vertretern von Hochschulen und Behörden, Studierenden und Auszubildenden erneut eine Plattform für den fachlichen Austausch. Im Mittelpunkt standen aktuelle technische und regulatorische Entwicklungen ebenso wie Fragen der Nachhaltigkeit, Digitalisierung und Energieeffizienz.
Nach der Begrüßung durch Dr. Rico Emmler (EPH) eröffnete Stefan Wajand, OTTO-CHEMIE GmbH, das Fachprogramm mit einem Überblick über Kleb- und Dichtstoffe für Anwendungen im Fensterbau. Moderne Fenster müssen heute weit mehr leisten als den reinen Gebäudeabschluss: Energieeffizienz, Luft- und Schlagregendichtheit sowie die dauerhafte Aufnahme von Temperatur- und Feuchteschwankungen stellen hohe Anforderungen an die eingesetzten Materialien. Herr Wajand zeigte die unterschiedlichen Eigenschaften und Einsatzgebiete von Acryl-, Polyurethan-, Silikon- und Hybridsystemen auf. Entscheidend für eine dauerhafte Lösung sei dabei die Auswahl des Kleb- oder Dichtstoffes passend zur konkreten Anwendung.
Einen weiteren Schwerpunkt bildete der sommerliche Wärmeschutz. Thomas Finger, Flachglas Markenkreis GmbH, erläuterte Arten, Funktionsweisen und Kennwerte moderner Sonnenschutzgläser. Neben klassischen Beschichtungen stellte er auch Sonderlösungen wie Isoliergläser mit integrierten Jalousien, Mikrowabenstrukturen oder dynamisch schaltbare Sonnenschutzgläser vor. Ziel solcher Lösungen ist es, die sommerliche Überhitzung von Gebäuden und damit den Kühlenergiebedarf zu reduzieren.
Mit dem Thema Einbruchschutz beschäftigte sich Marco Brauckmeyer, MACO GmbH. Im Mittelpunkt standen verdeckt im Fensterfalz eingebaute Nachrüstsysteme nach DIN 18104-2 sowie die Konformitätsbewertung von Druckknopfoliven nach den Einbruchschutz-Normen EN 1627 bis EN 1630. Vorgestellt wurden Möglichkeiten, bestehende Fenster sicherheitstechnisch aufzuwerten, ohne deren Erscheinungsbild wesentlich zu verändern. Die europäische Normenreihe ermöglicht dabei anhand definierter Widerstandsklassen eine vergleichbare Bewertung des Sicherheitsniveaus von Fenstern und Türen.
Martin Wiesmann, Remmers GmbH, rückte anschließend mit seinem Beitrag „Holzschutz neu gedacht: Biozidfreie Imprägnierung im Kontext zirkulärer Wertschöpfung“ Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung in den Mittelpunkt. Die DIN 68800 verfolgt den Grundsatz, Holz durch geeignete Konstruktion, Materialwahl und Nutzung möglichst ohne chemischen Holzschutz dauerhaft funktionsfähig zu halten. Dabei gewinnen neben der Gebrauchsdauer auch die spätere Wiederverwendung und das stoffliche Recycling von Holzbauteilen zunehmend an Bedeutung.
Wie regulatorische Anforderungen gleichzeitig als Chance für die Digitalisierung genutzt werden können, zeigte Jürgen Huber, Geschäftsführer der BISS.ID GmbH, am Beispiel des Digitalen Produktpasses für Fenster. Die eigentliche Herausforderung liege weniger darin, völlig neue Informationen zu erzeugen, sondern bestehende Produkt-, Material- und Nachweisdaten aus unterschiedlichen Systemen sinnvoll zusammenzuführen. Werden Daten, Schnittstellen und Prozesse konsequent strukturiert, könne aus der zusätzlichen Dokumentationsanforderung eine langfristig nutzbare digitale Infrastruktur für Produktion, Service, Nachhaltigkeitsbewertung und Kreislaufwirtschaft entstehen.
Den Abschluss des Fachprogramms gestaltete Paul Bergelt vom IHD mit Ergebnissen aus dem Forschungsprojekt WinDoorTherm. Untersucht wurde die Integration von Latentwärmespeichern, sogenannten Phase Change Materials (PCM), in Fensterrahmen und Türblätter. Die Versuche zeigten, dass solche Speicher Aufheiz- und Abkühlvorgänge messbar verzögern können. Besonders vielversprechend ist eine gezielte Integration in thermisch kritische Profilbereiche und hybride Türblattaufbauten. PCM ersetzen dabei klassische Dämm- oder Sonnenschutzkonzepte nicht, können diese jedoch als passive und wartungsarme Zusatzfunktion ergänzen.
Das 15. Fenster- und Türenkolloquium machte damit deutlich, wie vielfältig die aktuellen Herausforderungen und Entwicklungsmöglichkeiten der Branche sind. Die Themen reichten von Werkstoffen, Kleb- und Dichtstoffen sowie Sicherheit über Holzschutz und Kreislaufwirtschaft bis hin zu Digitalisierung und neuen Ansätzen für energieeffiziente Bauteile. Zugleich zeigte die Veranstaltung, wie eng technische Innovation, regulatorische Anforderungen und Nachhaltigkeitsziele miteinander verbunden sind.
Auch über das Fachprogramm hinaus stand der persönliche Austausch im Mittelpunkt. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer nutzten die Pausen und die veranstaltungsbegleitenden Informationsstände, um einzelne Fragestellungen zu vertiefen, Erfahrungen auszutauschen und neue Kontakte zu knüpfen. Damit erfüllte das Fenster- und Türenkolloquium erneut eine seiner zentralen Aufgaben, aktuelle Entwicklungen nicht nur vorzustellen, sondern Fachleute aus Forschung, Prüfung und Praxis und Lehre miteinander ins Gespräch zu bringen.