12. European Conference on Wood Modification in Dresden
Am 26. und 27. Oktober 2026 war das Institut für Holztechnologie Dresden (IHD) Gastgeber der 12. European Conference on Wood Modification (ECWM12). Diese führte 130 Wissenschaftler und Fachleute aus Forschung und Industrie aus 30 überwiegend europäischen Ländern, aber auch aus Argentinien, Brasilien, Südafrika und Australien, nach Dresden, um Forschungsergebnisse vorzustellen, aktuelle Entwicklungen zu diskutieren und Kontakte zu pflegen. Das vielfältige Programm umfasste 72 Fachbeiträge und bot Einblicke in neue Technologien, innovative Anwendungen und aktuelle Herausforderungen der Branche.
Holzmodifizierung eröffnet neue Perspektiven
Holz ist ein vielseitiger und nachwachsender Werkstoff, dessen natürliche Eigenschaften jedoch bestimmte Anwendungen einschränken können. Durch thermische, chemische oder andere Modifizierungsverfahren lassen sich beispielsweise die Dauerhaftigkeit, Dimensionsstabilität und Widerstandsfähigkeit gegenüber Feuchtigkeit und biologischem Abbau verbessern. Dadurch entstehen neue Möglichkeiten für den Einsatz von Holz, etwa im Bauwesen, bei Fassaden, Fenstern oder anderen technisch anspruchsvollen Produkten.
Wie vielfältig die Forschungsansätze inzwischen sind, zeigte das zweitägige Konferenzprogramm. Neben der thermischen und chemischen Holzmodifizierung standen neue Verfahren auf Basis biobasierter Substanzen, innovative Imprägnierungstechnologien sowie die Entwicklung und Bewertung modifizierter Holzprodukte im Mittelpunkt.
Von nachhaltigen Materialien bis zu ungewöhnlichen Anwendungen
Dass die Holzmodifizierung weit über klassische Einsatzbereiche hinausgeht, verdeutlichten mehrere Forschungsbeiträge. So wurde beispielsweise untersucht, ob modifiziertes Holz künftig als Konstruktionsmaterial für Satelliten geeignet sein könnte. Andere Arbeiten widmeten sich der Verwendung thermisch modifizierter Esche für Fensterrahmen oder der Entwicklung biobasierter Materialien aus modifiziertem Holz.
Auch die Kreislaufwirtschaft nahm einen wichtigen Platz im wissenschaftlichen Programm ein. Dabei ging es unter anderem um die Frage, wie sich die Nutzungsdauer von Holzprodukten verlängern lässt und welchen Beitrag modifiziertes Holz zu einer ressourcenschonenden Materialverwendung leisten kann. Die vorgestellten Ansätze zeigten sowohl neue technologische Möglichkeiten als auch die Herausforderungen bei der Überführung wissenschaftlicher Erkenntnisse in die industrielle Praxis.
Ein weiterer Themenbereich beschäftigte sich mit dem Brandverhalten modifizierter Hölzer. Vorgestellt wurden unter anderem Untersuchungen zu neuen Flammschutzverfahren, zur Holzmineralisierung sowie zur gezielten Behandlung und Verkohlung von Holzoberflächen.
IHD mit eigenen Forschungsbeiträgen vertreten
Auch das IHD beteiligte sich mit mehreren wissenschaftlichen Beiträgen am Konferenzprogramm. Ein Schwerpunkt lag auf der Entwicklung neuer Methoden zur schnellen und zuverlässigen Charakterisierung und Qualitätsbewertung thermisch modifizierten Holzes. Im Projekt „TMT-Fingerprint“ werden dazu verschiedene Kurzzeitprüfungen kombiniert, um den Modifizierungsgrad und wichtige Gebrauchseigenschaften, insbesondere die biologische Dauerhaftigkeit, künftig besser beurteilen und vorhersagen zu können. Darüber hinaus soll der charakteristische „Fingerabdruck“ des Materials ermöglichen, TMT-Produkte auch nachträglich zu identifizieren.
Weitere Arbeiten beschäftigten sich mit spektroskopischen Verfahren zur Bewertung der Behandlungsintensität sowie innovativen Modifizierungsprozessen auf Basis hochfrequenter dielektrischer Erwärmung (Patent angemeldet). Darüber hinaus wurden Untersuchungen zur Verlängerung der Lebensdauer von Holzschindeln durch verschiedene Modifizierungsverfahren vorgestellt.
Internationaler Austausch und Vernetzung
Neben den Fachvorträgen boten zahlreiche Posterpräsentationen Gelegenheit, aktuelle Forschungsarbeiten vertiefend zu diskutieren. Der direkte Austausch zwischen Wissenschaftlern, Entwicklern und Vertretern der Industrie spielte dabei eine zentrale Rolle. Auch abseits des Vortragsprogramms bestand ausreichend Gelegenheit, bestehende Kontakte zu pflegen, neue Kooperationen anzubahnen und gemeinsame Forschungsfragen zu erörtern.
Mit der Ausrichtung der ECWM12 unterstrich das IHD seine Rolle als international vernetzter Forschungsstandort. Die Konferenz machte deutlich, welches Potenzial in der gezielten Weiterentwicklung des Roh- und Werkstoffs Holz liegt und wie wichtig die Zusammenarbeit zwischen Forschung und Industrie ist, um innovative Technologien in marktfähige Anwendungen zu überführen.
Weitere Infos unter: 12th European Conference on Wood Modification